Heupelletsprojekt

„Verwertung von Naturschutzheu“ – Ausgangssituation: Für die aneinandergrenzenden Europaschutzgebiete

Südoststeirisches Hügelland und Grenzmur ist die Erhaltung bzw. Ausweitung von Wiesenflächen unter ökologischen Standards (z.B. Vertragsnaturschutz) Lebensraumsicherung für den Erhalt der Schutzgüter (Tiere z.B Blauracke und Pflanzen). Ein Rückgang der Rinderhaltung in den letzten Jahren führte vorerst zu einem Anstieg der  Förderflächen, dann aber zu einem Verwertungsproblem des spät geschnittenen Heus. Die verlorene Akzeptanz der bäuerlichen Arbeit auf Wiesenflächen deren Heu niemand braucht – die Entsorgungsproblematik und die steigenden Agrarpreise (Konkurrent Maisacker), bedrohen die Erhaltung unserer Wiesen.

Projektansatz:

Das Projektziel war eine sinnvolle Verwertung des anders nicht mehr verwertbaren Naturschutzheus (Landschaftspflegeheu) durch Pelletserzeugung.

Begleitet von der Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH als Projektpartner wurden vor Ort Verbrennungsversuche unter Praxisbedingungen durchgeführt.  Dadurch konnten Adaptionen in der Heiztechnik (spez. Pelletsofen) vorgenommen werden um hohe Verbrennungsstandards zu erreichen.

Die Ergebnisse der Verbrennungstests mit reinen Heupellets ließen zur Brennstoffanwendung in Richtung Mischpelletserzeugung weiterdenken.

Zeitgleich wurde in unserer Region eine neue Erntemöglichkeit von Konsummais (= Separation von Korn und Spindel) entwickelt. Nun konnte ich mit der Mischung von Maisspindelmaterial – Naturschutzheu experimentiert. Ein bestimmtes Mischungsverhältnis ergänzte sich besonders gut in der Pelletierung wie auch in der Verbrennung.

– Maisspindel mit hohem Energieinhalt, geringeren Abgas- und Feinstaubwerten und geringer Verschlackungstendenz (höherer Ascheschmelzpunkt) sind vorteilhaft in der Verbrennung.

– Heu hat Vorteile bei der Verpressung: Unter geringerem Energieaufwand zu pelletieren = positiv für die Produktionsmenge, u. erhöht die Pelletsfestigkeit.

Als zweite Schiene wird Heu entsprechender Qualität in Zusammenarbeit mit Maisbauern, die zur Veredlung ihres Ernteguts Schweinezucht betreiben, zu reinen Heupellets verpresst. Sie sind in der automatischen Fütterung als betriebseigener Rohfaseranteil (im Mischfutter) gut einsetzbar.

Durch das Projekt entstand die Basislogistik, die nachfolgenden Projekten als Modell dienen soll. Zur Produktion  von einerseits nachwachsendem regionalem Brennstoff und andererseits regionalem betriebseigenem Rohfaserfutter besteht nun eine Pelletierungs-Demonstrationsanlage, mit der in idealer Weise der ökologisch/ökonomische Mehrfachnutzen unseres Pilotprojektes vermittelt werden kann.

Das Projekt „Verwertung von Naturschutzheu“ wurde über 3 Jahre (ab 1.5.2008) von der Naturschutzabteilung der Steiermärkischen Landesregierung (Fachabt. 13c) und EU aus Mitteln der ländlichen Entwicklung zu gleichen Teilen gefördert. Der Verein L.E.i.V. („Blaurackenverein“) war als Zentrum der südoststeirischen Natura 2000 Gebietsbetreuung Projektträger.

 

Folgeprojekt – Projekterweiterung (1 Jahr):

Die gegebenen Voraussetzungen (energetischer Ansatzpunkt, Nachfrage von Rohfaseranteil in der Schweinehaltung, Lage im landw. Umfeld, die bestehende Basisanlage) waren ideal zur Überführung des Projektes in die gute bäuerliche Praxis (mit Perspektive zur Verarbeitung anderer landw. Nebenprodukte -Co-Produkte (auch Anbaureste genannt) – z.B. Maisspindel, Getreide- Mais- RapsStroh)

Im nun laufenden Folgeprojekt bauen wir auf die Erkenntnisse aus der erstmaligen Pelletierung der beiden agrarischen Materialien Heu und Maisspindel – und auf die Ergebnisse der Brennstoffprüfungen auf.

Der Standortwechsel, die Anwendung der Erfahrungen aus der Materialzerkleinerung, effizientere Materialzuführung, Automatisierung der Pelletsverladung sowie die Teambildung innerhalb  der Bauerngemeinschaft waren am Anfang der Überführung in die Praxis die großen Aufgaben.

Generelle Ziele des Folgeprojekts: praxisausgerichtete Automatisierung der Anlage unter Berücksichtigung höchstmöglicher Energieeffizienz, Verwertung aller bislang unverwertbarer Heumengen der Region, Signalwirkung als Vorzeigeprojekt von ökologischem und landwirtschaftlichem Nutzen, Entlastung in der Bearbeitung von Naturschutzwiesen, Langfristig-  regionaler Ersatz fossiler Energieträger durch nachwachsende „Agrar-Nebenprodukte“ (Co-Products) 2 – 2,2kg Mischpellets ersetzen 1Liter Heizöl.

Die Bauerngemeinschaft mit Fr. DI Wopienka (Zentrum Bioenergy2020+ Wieselburg)


In der Startphase der überarbeiteten Anlage (Ende August 2012 bis Anfang Dezember 2012) wurden 140 Tonnen Pellets produziert. Gegen Ende der Startphase wurde bereits eine durchschnittliche Produktionsmenge von 800 kg in der Stunde erreicht.
Zielerreichung: Eigenproduktion von regionalem Futtermittel (Rohfaser) u. Brennstoffpellets aus einer regionalen Bauerngemeinschaft, und dadurch gesteigertes landwirtschaftliches Interesse am Erhalt und der Bewirtschaftung von Wiesen und Naturschutzwiesen.

Besonders gedankt sei abschließend der Fachabteilung Naturschutz (13C) des Landes Steiermark für die Fördermittel, die Begleitung und das Vertrauen – und dem Projektträger, unserem Verein „L.E.i.V. Lebende Erde im Vulkanland“, der mir jegliche Unterstützung zukommen ließ.

 

Projektleiter

Ing. Dr. Andreas Breuss

a-d.breuss@aon.at

Tel. 0664/156 22 42

 

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