Lesermeinung zur Parkplatzsituation

Nachdem offenbar ausschließlich Unternehmer Bescheid wissen und daher gefragt werden, welche Bedeutung Parkplätze in einer Innenstadt haben, in der sie bis auf wenige Ausnahmen nicht leben, erlaube ich mir als Innenstadtbewohner, ergänzend eine private Ansicht zum Thema Bad Radkersburger Innenstadt und seine Belebung zu äußern: Bei der zu vernehmenden Dramatik stellt sich die Frage, wie die Infrastruktur bis zur Einrichtung der provisorischen Parkplätze vor zwei oder drei Jahren überhaupt aufrecht erhalten werden konnte und welches Leben überhaupt existierte, das ohne Auto nicht denkbar ist. Interessant wäre es, zumindest in Prozenten den Umsatzaufschwung belegt zu bekommen, dass das Überleben der Wirtschaftstreibenden von diesen wenigen Stellplätzen abhängen kann, ansonsten ist die Aufregung nicht wirklich nachvollziehbar.
Dass die Parkplätze Notwendigkeit haben, wurde durch simple Zahlen von einem Verkehrsplaner, der sich seit Jahrzehnten mit Radkersburg beschäftigt, im Rahmen jener Zukunftswerkstatt, in der schließlich gegen die Parkplätze demokratisch abgestimmt wurde, basierend auf Fakten widerlegt: Es gibt in der Stadt absolut genug freie Parkplätze, wohlgemerkt als Kurzparkzone, würde diese eingehalten. Einige der in den Hauptplatz hineingepferchten Plätze und viele andere waren zu einem Teil von Dauerparkern belegt, es ist nicht davon auszugehen, dass diese von 8.00 bis 19.00 in der Stadt unterwegs waren, um die Umsätze zu fördern.
Dass die Stadt zu einem Museum „verkommen“ könnte, wäre ihr angesichts des Museums im alten Zeughaus nur zu wünschen: Eine kritische und intensive Auseinandersetzung mit Geschichte, aus deren Erfahrungen Lehren für eine Zukunft gezogen und damit neue Zugänge eröffnet werden können. Dass ein mit Autos zugeparkter Hauptplatz einer Kurstadt als Zeichen für Erholung, Gesundheit, Innovation und damit für funktionierende Wirtschaft dienen könnte bleibt zu bezweifeln, hier gelangen wir unweigerlich an den ökologischen Standpunkt: Es war und ist bisher kein einziges Argument zu hören gewesen, das diese Parkplätze rechtfertigt und nicht mit einem Satz widerlegt werden könnte, außer jenes: Die Leute wollen halt genau vor das Geschäft fahren, in dem sie einkaufen wollen. Und das sollen gefälligst alle, die sich um eine Verkehrsberuhigung zum Beispiel durch Radfahren bemühen und auch praktizieren, so hinnehmen. Als Argument ist das nicht haltbar. Fragwürdig daran ist die Vorbildwirkung, die Kindern und nachfolgenden Generationen präsentiert wird: Es wird nicht einmal der Anschein erweckt, dass die Umwelt und die Altstadtatmosphäre irgendjemanden interessieren würden, unverhohlen wird daran festgehalten, dass nun einmal das Auto als Fortbewegungsmittel auch für kürzeste Distanzen den Mittelpunkt der Welt verkörpert, ohne den alles zusammenbrechen würde, ein wirklich bedenkliches Signal. Spätestens die Umwelt wird früher oder später zusammenbrechen, alles andere wäre bestimmt zu regeln, siehe folgende Beispiele: die Kärntnerstrasse und der Graben in Wien, die Herrengasse in Graz, noch dazu mit Strassenbahn (also eine Begegnungszone!), daneben gleich die Schmiedgasse. Linz, Innsbruck, Salzburg, überall gibt es Fussgänger- oder Begegnungszonen. Alle wurden ursprünglich heftig bekämpft, alle wurden Erfolgsprojekte. Auch in kleinen Städten funktionieren sie wunderbar. Übrigens: Der Weg vom Parkplatz Hasenheide via Hauptplatz, Museum und Tabor zum Parkplatz im Stadtgraben/Höhe Zufahrt Kodolitschhof in gemächlicher Gehgeschwindigkeit – eine Stadtdiagonale mit Umwegen – dauert handgestoppte 9 Minuten. Dem ist wohl nichts hinzuzufügen. In einer größeren Stadt hat man in dieser Zeit erst eine Bus- oder Strassenbahnhaltestelle erreicht.

In dieser Altstadt, von der andere Orte nur träumen können, die Vergrößerung der Parkfläche als offenbar einzige Maßnahme zu betrachten, um sie zu beleben, ist in Abrede zu stellen. Von Belebung kann nicht die Rede sein, viel mehr handelt es sich dabei höchstens um eine schlechte lebenserhaltende Maßnahme. Gleichzeitig in Planung: Ein weiteres Einkaufszentrum in der nahen Peripherie, das wurde von den befragten Wirtschaftstreibenden versehentlich vergessen, vielleicht weil wirtschaftliche Interessen sowohl dort als auch in der Innenstadt existieren. Solch merkwürdige Ideen müssen in Frage gestellt werden, nicht die Wiederherstellung einer gastfreundlichen und einer so wunderbaren Kurstadt würdigen Altstadtatmosphäre. Wenn nun noch ein paar Bäume am Hauptplatz gepflanzt würden, gäbe es auch genug Schatten, die Sommerhitze wäre entschärft – und Bad Radkersburg könnte sich der Bewunderung vieler Regionen, Städte und Gäste sicher sein, die unsere Stadt bestimmt wieder und wieder besuchen würden.

Mit freundlichen Grüßen,

Walter Schaidinger

Grazertorplatz 9
8490 Bad Radkersburg

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