Niemals vergessen – Zeitzeuge auf Besuch

Seit dem Jahr 2005 besucht der 1925 in Ungarn geborene ehemalige Zwangsarbeiter Sandor Vandor jedes Jahr Familie Weinhandl in St. Anna am Aigen, mit der er in tiefer Freundschaft verbunden ist.

Diese Zeit nutzt er auch, um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern in der gesamten Steiermark seine Erlebnisse in den Jahren 1944/45 in St. Anna zu erzählen. Heuer gab eine Kooperation zwischen der ARGE Jugend gegen Gewalt und Rassismus, dem Pavelhaus und dem BORG Bad Radkersburg den Schülerinnen und Schülern der 6.b Klasse die Möglichkeit, sich fächerübergreifend besonders intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die beiden Lehrerinnen, Mag. Elisabeth Novak (Deutsch) und Mag. Susanne Luginger (Geschichte) bereiteten die Schülerinnen und Schüler optimal auf das erste Treffen mit Sandor Vandor in der Schule vor, zu welchem sie einen Fragenkatalog ausgearbeitet hatten.

Eine Exkursion führte sie dann eine Woche später in die Höll bei St. Anna, wo sich einst die Baracken der Zwangsarbeiter, die zum Ausheben von Panzergräben zur Abwehr der anrückenden Roten Armee eingesetzt wurden, befunden hatten. Sandor Vandor erzählte den interessierten SchülerInnen seine Geschichte, er hatte nur überlebt, weil er von mitfühlenden Ortsbewohnerinnen heimlich mit Essen versorgt wurde. Als er im April 1945 befreit wurde, konnte er sich kaum mehr auf den Beinen halten, viele seiner Leidensgenossen hatten weniger Glück, sie wurden auf den Todesmarsch nach Mauthausen geschickt, diejenigen, die krank oder zu schwach zum Gehen waren, wurden gleich an Ort und Stelle ermordet und in einem Massengrab verscharrt.

Die Schülerinnen und Schüler konnten die Reste eines Panzergrabens sehen, der schon wieder fast ganz zugewachsen ist. Auch ein Besuch des Mahnmals für den Frieden, das Sandor Vandor vor einigen Jahren gestiftet und gemeinsam mit Jugendlichen unter Einbeziehung von Ziegeln aus den gesprengten Lagerbaracken errichten ließ, stand auf dem Programm.

Sandor Vandor, mittlerweile 88 Jahre alt, lebt heute in den USA. Es gelingt ihm, mit seiner lebendigen Art zu erzählen von Anbeginn an das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu erwecken. Man merkt sofort, dass er junge Leute mag und deshalb funktionierte dieses Projekt so gut. Wir freuen uns schon darauf, wenn er nächstes Jahr wieder kommt.

Autorin und Fotos: Elisabeth Arlt

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