Wie ein Apfel ein Leben rettete

Die Geschichte eines Zwangsarbeiters oder: „Wie ein Apfel ein Leben rettete“. Als Zeitzeuge besucht der ehemalige Zwangsarbeiter Sandor Vandor einmal jährlich im Herbst Schulen in den Bezirken Radkersburg, Feldbach, Leibnitz und darüber hinaus.

Sandor Vandor, 1925 in der Nähe von Budapest geboren, musste ab 1944 in der Nähe von St. Anna am Aigen beim Panzergrabenbau unter widrigsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten. Viele überlebten diese Tortur nicht. Geschwächt und krank aufgrund der mangelhaften Ernährung und der schweren Arbeit konnte er nur überleben, weil Bewohner aus St. Anna und den Umgebungsgemeinden ihm und den anderen vorwiegend jüdischen Zwangsarbeitern unter Einsatz ihres eigenen Lebens heimlich Essen zukommen ließen.

Rückkehr nach St. Anna

Im Jahr 2005 nahm Sandor Vandor mit Elisabeth Weinhandl, der Frau des damaligen Bürgermeisters, Kontakt auf und es entwickelte sich eine tiefe Freundschaft. Seither besucht Sandor Vandor jedes Jahr im Herbst St. Anna. „Mein Wunsch ist es“, erzählt der rüstige Mann mit blitzenden Augen, „mich persönlich bei den Nachkommen jener mutigen Bewohner von St. Anna und Umgebung zu bedanken, die mir in den Zeiten größter Not das Leben gerettet haben.“
Nur durch die Hilfe dieser Dorfbewohner schaffte es der junge Vandor, mit knapper Not, zu überleben. Er kehrt nach Ungarn zurück, beschließt jedoch, in die USA auszuwandern, da der Großteil seiner Verwandten nicht aus den Vernichtungslagern zurückgekehrt ist, und er im Nachkriegsungarn keine Zukunft sieht. Er lässt sich in Kalifornien nieder, wo er heute, nach dem Tod seiner Frau, lebt.

Unermüdliche Zeitzeugenarbeit

Jedes Jahr im Herbst kommt Sandor Vandor für drei Wochen nach St. Anna. Ein großes Anliegen ist es ihm, so viele Schulklassen wir möglich zu besuchen und den Schülern seine Überlebensgeschichte zu erzählen. Ein Fixpunkt dieser Zeitzeugenarbeit ist dabei unter anderem das BORG Bad Radkersburg.

„Ich gehe gerne in die Schulen“, setzt Vandor fort, „ich erzähle Jugendlichen, die nur ein bisschen jünger sind, als ich es damals war, als ich zur Zwangsarbeit eingesetzt wurde, meine Geschichte und bin überwältigt, wie viel Resonanz von diesen jungen Menschen zurückkommt.“

Das bestätigt auch Elisabeth Weinhandl, die mit ihm zusammen an die Schulen kommt, Termine ausmacht und für die jüngeren Schüler aus dem Englischen übersetzt. „Die Schülerinnen und Schüler sind überwältigt von Sandors Überlebensgeschichte!“. Viele haben in den letzten Jahren eigene Geschichten, Gedichte, sogar Musikstücke als Zeichen ihrer tiefen Ergriffenheit und Solidarität verfasst. Alle sind sich einig: „ So etwas darf nie wieder passieren!“

Wer sich näher mit Sandor Vandors Geschichte „Rückkehr nach St. Anna“ befassen möchte, kann dies unter http://www.pavelhaus.at//cm/museum/ tun. Hier steht die Langversion zum Gratis Download bereit.

Autorin: Elisabeth Arlt
Fotos: Dorothea Kern – Wolf

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